Wir feiern 10 Jahre Café Grüezi in Meilen!

25-09_s+s (Foto: Petra Steiner)
Seit einem Jahrzehnt ist das Café Grüezi International in Meilen ein Ort der Begegnung, Integration und Herzlichkeit.
Den Grundstein legte Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner vor zehn Jahren, mit Unterstützung der Sozialabteilung. Auch die katholische Kirchgemeinde macht mit. Ein engagiertes Team, bestehend aus Freiwilligen der Kirchgemeinden, zeigt Ausdauer, Flexibilität, Teamgeist und freudiges Mitwirken.

Am Montagmorgen, ausser in den Schulferien, treffen sich rund zehn Migrantinnen und Migranten aus verschiedenen Ländern für zwei Stunden zu Deutschunterricht, Alltagshilfe und Integration.
Zu Beginn sitzen die Teilnehmenden um einen Tisch, sprechen rege über Inputs der Leitenden. In der Pause wird ausgetauscht und gelacht bei Kaffee und selbstgebackenen Köstlichkeiten. Dieser herzliche Rahmen fördert das Miteinander und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Anschliessend wird in Niveaugruppen in Deutsch unterrichtet. Daraus ergeben sich schöne Begegnungen auf der Strasse «Wie geht es Dir?», ein kurzer Austausch mit
Herzlichkeit.

Den Freiwilligen, die diesen Dienst mit viel Engagement leisten, sei herzlich gedankt. Sie freuen sich, die Entwicklung der Menschen zu sehen, die sich in Meilen integrieren und Teil des Dorflebens werden. Marianne Trapletti und ihr Team sorgen dafür, dass das Projekt weiterhin ein Ort der Unterstützung und des Zusammenhalts bleibt.

Das Jubiläum ist ein schöner Anlass, um die wertvolle Arbeit und Gemeinschaft des Café Grüezi International zu würdigen, Dankbarkeit und Freude zu teilen und auf weitere erfolgreiche Jahre anzustossen.
Feiern Sie dies mit uns im » Sing & Spirit-Gottesdienst. 
Ursula Rissi, Kirchenpflegerin
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Flüchtlingswesen in Meilen


In Meilen leben derzeit rund 230 Flüchtlinge. Unter dem generellen Begriff von Flüchtling unterscheiden wir in der Asylfürsorge die Asylsuchenden mit Status N, die vorläufig Aufgenommenen mit Status F und die Schutzbedürftigen aus der Ukraine mit Status S sowie in der öffentlichen Sozialhilfe die anerkannten Flüchtlinge mit Status B. Die Schutzbedürftigen aus der Ukraine machen die grosse Mehrheit aus.

Die Flüchtlinge werden vom Kanton der Gemeinde Meilen zur Unterbringung und Betreuung zugewiesen. Die ersten Jahre in der Asylfürsorge dienen der sozialen und beruflichen Integration mit Fokus auf den Spracherwerb und die berufliche Eingliederung in den Schweizer Arbeitsmarkt. Bei finanzieller Unabhängigkeit kann ein*e vorläufig aufgenommene*r Ausländer*in nach 5 Jahren einen Antrag für die Aufenthaltsbewilligung B stellen und somit für sich und seine/ihre Familie eine Zukunft in der Schweiz aufbauen.

Seit 2003 betreut die Gemeinde Meilen die Personen in der Asylfürsorge nicht mehr mit eigenen Kräften, sondern hat das Betreuungsmandat der ORS Service AG vergeben. Die Auslagerung an dieses Unternehmen hat sich bewährt; sie stellt eine professionelle und effiziente Lösung sicher. Die kommunale Sozialabteilung und die Sozialbehörde beaufsichtigen die Tätigkeit der ORS.
Die anerkannten Flüchtlinge mit Status B werden von der Gemeinde betreut.

Die Unterbringung der Flüchtlinge erfolgt in rund 25 Wohnobjekten, die von der Gemeinde angemietet und unterhalten werden. In den ersten 7 Jahren unterstützt der Kanton die Finanzierung der Asylfürsorge mit einer Tagespauschale pro Person. Der Kanton trägt die Kosten für die unterstützungsbedürftigen anerkannten Flüchtlinge während 10 Jahren. Danach kommt die Gemeinde für alle Kosten auf.

Einen sehr wertvollen Beitrag zur Unterstützung und Integration der Flüchtlinge leisten in unserer Gemeinde auch die Kirchen sowie private Personen. Hervorzuheben gilt es das «Café Grüezi». Im Schoss der Landeskirchen erteilen freiwillige Helfer den Flüchtlingen Sprachunterricht und beraten sie zum Leben in der Schweiz.


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Drei bewegende Schicksale:
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Hiam aus Syrien
Hiam ist mit ihren zwei Töchtern im Jahr 2015 mit dem Flugzeug in die Schweiz geflohen.
Ihre beiden Töchter waren damals vier und neun Jahre alt. Ihr Mann und ihr fünfeinhalb- jähriger Sohn sind bei einem Bombenattentat in Syrien ums Leben gekommen. Hiam kam bald nach ihrer Ankunft in Meilen ins Café Grüezi.

Sie ist uns sofort als sehr sympathische und starke Frau aufgefallen. Obwohl sie ein äusserst schweres Schicksal zu tragen hatte, war sie immer motiviert und offen für alles Neue. Was für eine ausserordentliche Frau. Sie lernte relativ schnell ein wenig Deutsch, und wir halfen ihr, wo wir konnten, sei es beim Ausfüllen von Formularen, Erklären, wo sich was befindet in Meilen, beim Einrichten ihrer Wohnung oder bei der Suche nach einer Arbeitsstelle.

Hiam startete ihren beruflichen Einstieg fünf Jahre nach ihrer Ankunft in der Schweiz als Hauswirtschaftsfrau im Altersheim Platten, wo sie immer noch arbeitet. Ihre grössere Tochter macht eine Lehre bei einem Zahnarzt und die Kleine geht jetzt in die dritte Sekundarschule.
Marianne Trapletti, Café-Grüezi-Team

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Penpa Dolma aus Tibet
Penpa kam im Februar 2016 zum ersten Mal ins Café Grüezi. Sie ist mir sofort positiv aufgefallen, da sie sehr gut Englisch sprach, und ihren Namen ganz schwungvoll auf das Namensschild schrieb. Leider kam sie während der sechs Monate in der Schweiz nicht über den Asylantenstatus heraus. Wir probierten alles, damit sie als «vorläufiger aufgenommener Flüchtling» anerkannt wurde, leider ohne Erfolg. Da half auch ihr Diplom als Krankenschwester nicht. So kam der Tag, als die Polizei morgens um 6 Uhr an ihrer Türe läutete und sie aufforderte,
innert 20 Minuten alles zu packen und mitzukommen. Sie wurde anschliessend drei Wochen in der Ausschaffungshaft in Kloten inhaftiert. Darauf wurde sie nach Mailand ausgeflogen. Der Grund war, dass sie in Italien für die Einreise nach Europa ein Visum beantragt hatte. Im Gefängnis habe ich sie jede Woche besucht und wir kamen uns näher.
Heute lebt Penpa Dolma ausserhalb Paris und arbeitet als Spitexfrau. Seit vier Jahren ist sie finanziell unabhängig, hat einen tibetischen Partner und einen eineinhalb-jährigen Sohn. Unser Kontakt besteht nach wie vor und hat sich noch intensiviert.
Marianne Trapletti, Café-Grüezi-Team

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Ludmilla aus der Ukraine
Zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Enkel (im Teenager-Alter) kam Ludmilla Mitte März 2022 mit dem Zug via Slowakei und Österreich in die Schweiz.

Schon bald lernte sie das Café Grüezi kennen und ist seither eine allseits beliebte Teilnehmerin. Wir mögen Ludmillas positive Ausstrahlung, ihre Umgänglichkeit – und natürlich all die gebackenen Köstlichkeiten, mit denen sie uns regelmässig verwöhnt. Sie schätzt es sehr, dass hier Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen ohne Unterschied zusammen sind und freut sich immer auf den Montag, auf das Treffen mit allen, auf das Austauschen von Neuigkeiten.
Auch wenn die deutsche Sprache wirklich schwer ist und das Lernen nicht so schnell geht, liebt sie ihre Lehrerinnen sehr und ist wirklich dankbar.

Die Ungewissheit, wie es mit den Menschen aus der Ukraine weitergeht, ob sie in der Schweiz bleiben können, ist belastend für die Familie.
Barbara Pfenninger, Café-Grüezi-Team