Kolumne
Der grüne Güggel stand im pfarrhäuslichen Garten und krähte laut: Aufgestanden, Frühling, Frühling. Der Verfasser schreckte aus dem Schlaf.
Ein Alptraum, offensichtlich. Die Uhr verriet, es war 4 Uhr morgens. Die sogenannte Wolfsstunde hatte geschlagen. Wieder
einzuschlafen war ein Ding der Unmöglichkeit. Schlafforscher empfehlen, kurz aufzustehen, schöne Musik zu hören und aus dem geöffneten Fenster zu blicken, damit mit der frischen Luft der Schlafhormonspiegel wieder in Einklang kommt.
Draussen im Garten jubilierten die ersten Vögel mit frühlingshaftem Gesang, was für eine schöne Stimmung. Dann aber kippte der heitere Moment und die Vögel machten einen unziemlichen Radau. Bestimmt war ein draller Stubentiger auf der Pirsch.
Aber plötzlich blickte wie aus dem Nichts ein illuminiertes Augenpaar zum Fenster hoch. Ein grosses Tier sass auf seinen Hinterläufen im Garten. Gar ein Wolf? Das Geschöpf blieb regungslos, schaute bloss, bellte dann den Beobachter hustend an. Der schlaflose Mensch und das bewegungslose Tier blickten einander in die Augen, ein tiefes gegenseitiges Verständnis für die jeweilige Existenz schien beide zu erfüllen. Dachte der romantische Mensch.
Das unheimliche Tier war kein Wolf, dafür ein charmanter Fuchs. Reineke Fuchs stand auf, wandte den Kopf ab, trabte elegant davon und schlüpfte durch die Hecke in Richtung See. Die Vögel nahmen ihre Symphonien nochmals auf. Zurück im Bett stellte sich der Schlaf ein.
Im Traume hatte der Güggel ausgekräht, hingegen raunte der Fuchs ganz sachte: Frühling, Frühling. Es war kein Weckruf mehr, sondern ein Versprechen.
Pfr. Erich Wyss
Ein Alptraum, offensichtlich. Die Uhr verriet, es war 4 Uhr morgens. Die sogenannte Wolfsstunde hatte geschlagen. Wieder
einzuschlafen war ein Ding der Unmöglichkeit. Schlafforscher empfehlen, kurz aufzustehen, schöne Musik zu hören und aus dem geöffneten Fenster zu blicken, damit mit der frischen Luft der Schlafhormonspiegel wieder in Einklang kommt.
Draussen im Garten jubilierten die ersten Vögel mit frühlingshaftem Gesang, was für eine schöne Stimmung. Dann aber kippte der heitere Moment und die Vögel machten einen unziemlichen Radau. Bestimmt war ein draller Stubentiger auf der Pirsch.
Aber plötzlich blickte wie aus dem Nichts ein illuminiertes Augenpaar zum Fenster hoch. Ein grosses Tier sass auf seinen Hinterläufen im Garten. Gar ein Wolf? Das Geschöpf blieb regungslos, schaute bloss, bellte dann den Beobachter hustend an. Der schlaflose Mensch und das bewegungslose Tier blickten einander in die Augen, ein tiefes gegenseitiges Verständnis für die jeweilige Existenz schien beide zu erfüllen. Dachte der romantische Mensch.
Das unheimliche Tier war kein Wolf, dafür ein charmanter Fuchs. Reineke Fuchs stand auf, wandte den Kopf ab, trabte elegant davon und schlüpfte durch die Hecke in Richtung See. Die Vögel nahmen ihre Symphonien nochmals auf. Zurück im Bett stellte sich der Schlaf ein.
Im Traume hatte der Güggel ausgekräht, hingegen raunte der Fuchs ganz sachte: Frühling, Frühling. Es war kein Weckruf mehr, sondern ein Versprechen.
Pfr. Erich Wyss
