Va bene? Geht es gut?

25-09_vabene1 (Foto: zvg)
besuchen – begegnen – begleiten
Beatrice van Altena, ehemalige Kirchenpflegerin und langjähriges Mitglied der Besuchsdienstgruppe, berichtet über ihre Erfahrungen.
Im Alter hängt das Wohlbefinden oft stark von sozialen und tragfähigen Beziehungen ab. Menschen brauchen Menschen – für Begegnungen, Gespräche und das Gefühl von Zugehörigkeit. Viele Personen leben bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden, oft in Einzelhaushalten. Mögliche Verluste wie der Tod von Partnern oder Freunden und/oder eingeschränkte Mobilität u.a. erschweren den Kontakt.

Der freiwillige vabene-Besuchsdienst bietet den Betroffenen die Chance, ein Beziehungsnetz zu erhalten. Regelmässige Besuche schaffen für beide Seiten bereichernde Beziehungen, Austausch, gemeinsame Erlebnisse und Teilhabe.

Im April bis Juni 2026 wird in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Männedorf ein vabene-Kurs angeboten. Die Weiterbildungsreihe vermittelt theoretisches und praktisches Wissen zu Alter & Altern sowie der Begleitung betagter Menschen. Nähere Informationen dazu folgen im Winter

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I N T E R V I E W
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Was hat Dich dazu motiviert, den Kurs zu absolvieren, und wie hat er Dein eigenes Leben bereichert?
Eine Kollegin aus Stäfa rief mich an und fragte mich, ob ich mit ihr den vabene-Kurs besuchen würde. Ich begann, mich damit auseinanderzusetzen, und entschied, daran teilzunehmen. Autorinnen haben uns mitgenommen in die verschiedenen Aspekte der Altersarbeit: Einsamkeit, Informationen zu den verschiedenen Arten von Demenz, Entlasten der Angehörigen, Verschwiegenheit etc.

Was hat sich bei Deinen Begegnungen mit den Menschen, die Du besuchst und die vielleicht einsam waren, im Laufe der Zeit verändert?
Je mehr Einblick ich in ihre Vergangenheit und ihre gegenwärtige Situation erhalten habe, desto vertrauter wurden die Gespräche. Es baute sich ein Vertrauensverhältnis auf.

Gibt es bei den Besuchen bestimmte Gesprächsthemen oder Aktivitäten, die sich in der Praxis bewährt haben?
Nachfragen. Nach und nach werden Erinnerungen aus Inseln zu Landschaften. Wohnungs-Einrichtungen, Bilder und Fotos an den Wänden sind Türöffner für Gespräche. Bei jeder Person ist es anders.

Kannst Du eine Situation beschreiben, in welcher Dir Deine Erfahrungen aus dem Kurs geholfen haben?
Menschen zu besuchen war für mich nichts Neues. Der Kurs hat uns das Wissen über die verschiedenen Arten von Demenz aufgefrischt. Von der gewöhnlichen Altersvergesslichkeit über Alzheimer bis zur Frontotemporalen Demenz. Einordnen von depressiven Verstimmungen, Opferrolle oder Schuldgefühlen. Einer Frau konnte ich helfen, sich mit der Schwiegertochter auszusöhnen. Der Kurs hilft Situationen einzuordnen.

Welche Tipps hast Du für neue Freiwillige, die sich nach dem vabene-Kurs im Besuchsdienst engagieren wollen?
Ohne Vorbehalte auf die Menschen zugehen. Sich vorstellen, ein bisschen aus dem eigenen Leben erzählen, damit die Besuchten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Fragen, wie sie sich die Besuche wünschen. Tee trinken, spielen, erzählen oder spazieren oder alles. Mit einer Frau, die ich besucht habe, haben wir jeweils so viel gelacht, dass die Zeit nur so verflog.

Hast Du im und nach dem Kurs neue Freundschaften geknüpft und was bedeutet Dir der Austausch mit anderen Freiwilligen?

Der Austausch mit andern bedeutet mir viel. Erfahrungsaustausch erweitert unser Wissen. Man lernt voneinander. Lernt neue Ansätze kennen, es gibt Aha-Erlebnisse. Wenn man sich im Dorf oder in der Kirche trifft, gibt es ein Gefühl von «gemeinsam unterwegs sein». Ich empfehle diesen Kurs. Das Gelernte kann uns auch im engsten Umkreis zu Gute kommen.
Das Interview mit Beatrice van Altena führte Sozialdiakonin Heike Kirschke