Andacht im AZ Platten am 26. März

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Wandere ich auch im finstern Tal

Andacht für alle Bewohnerinnen und Bewohner und für die Pflegenden und Mitarbeitenden im AZP Küsnacht und Meilen



Donnerstag, 26. März 2020


Friede sei mit Euch.

Wie eigenartig ist es, Sie alle so aus der Ferne anzureden, anstatt direkt da zu sein. Es geht mir fast wie dem Apostel Paulus, der an die Gemeinde in Rom schreibt und sagt, wie gerne er doch direkt bei ihnen wäre. Er schreibt:

«Denn mich verlangt, euch zu sehen, um euch eine geistliche Gabe mitzuteilen, damit ihr gestärkt werdet, das heisst, damit ich bei euch mitgetröstet werde durch den gemeinschaftlichen Glauben.» Römerbrief 1, 11 und 12

Ja, so ist es bei einer «normalen» Andacht – da bringen wir nicht nur Musik und stärkende Worte, nein – da wird mir im Sprechen und Dasein und Zusammensein oft ganz unmittelbar wieder selber klar, wie viel Kraft und Trost der Glaube einem geben kann, für ein ganzes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.

Nun muss es so gehen. Ich schreibe Ihnen diese Worte und hoffe, dass sie eine kleine Stärkung und Freude bringen können. Und ich stelle mir dabei Ihre lieben, offenen Gesichter vor und danke an dieser Stelle für alles, was Sie schon an Gutem und Hoffnungsvollem in das gemeinsame Feiern gebracht haben.

Ganz herzlich begrüsse ich untern Ihnen auch diejenigen, welche nicht zu den regelmässigen Teilnehmenden der Andacht gehören, nun aber diese Worte auch zugesandt bekommen und ich grüsse auch die Mitarbeitenden in Pflege und Hauswirtschaft. Sie sind noch mehr als bisher die wichtigen Bezugspersonen, welche durch ihre Herzlichkeit und Geduld zeigen, dass das menschliche Miteinander und Füreinander gerade in der Krise nicht untergeht. Danke!

Wären wir nun vor Ort zusammen, würde uns Barbara Meldau bei einem schönen Lied begleiten. Als Ersatz hier die 7. Strophe vom Lied 573 im reformierten Gesangbuch:

Ich schliesse mich aufs Neue / in deine Vatertreue / und Schutz und Herze ein. / Der Finsternis Geschäfte / und alle bösen Kräfte / vertreibe durch dein Nahesein

So beten wir:

Gott, zu dir beten wir in dieser Zeit, in der wir unsicher sind und voller Fragen.

Lass uns einen Moment der Ruhe finden bei dir.

Lass uns still werden und nimm unsere Angst und Unruhe von uns weg.

Lass uns merken, dass Du da bist und uns umfängst, wie eine Mutter ihr Kind umarmt.

Gott, wir danken dir und loben dich, heute und allezeit. Amen.

In Zeiten wie diesen greife ich auf die elementarsten biblischen Texte zurück. Dazu gehört Psalm 23:

ER ist mein Hirt, mir mangelt nichts,

er weidet mich auf grünen Auen.

Zur Ruhe am Wasser führt er mich,

neues Leben gibt er mir.

Er leitet mich auf Pfaden des Heils

um seines Namens willen.

Wandere ich auch im finstern Tal,

fürchte ich kein Unheil,

denn du bist bei mir;

dein Stecken und dein Stab,

sie trösten mich.

Psalm 23, 1-4

Einige von Ihnen sind in der Lage, die Ruhe am Wasser direkt zu erleben. Einige von Ihnen können hinausgehen ans Wasser, oder Sie haben den Blick übers Wasser, der wohltut und einem aufatmen lässt. Ihnen wird das Tröstliche dieser Worte ganz unmittelbar erfahrbar.

Andere sehen sich vielleicht direkter im «finstern Tal». Sorgen um Angehörige, die sie nicht mehr besuchen können, belasten die Tage oder auch das Mitgefühl mit den Pflegenden und Mitarbeitenden, welche so viel zu leisten haben.

Bei diesem Vers wechselt der Betende vom ER zum DU. Nun heisst es nicht mehr so wie davor: Er ist bei mir; sondern: «denn du bist bei mir»

Gott ist nicht nur einer, von dem man erzählen kann oder über den man etwas hören kann.

Nein, noch mehr: Wenn ich mich ganz verloren fühle und in Gefahr – dann ist es auf einmal so, dass ich weiss: Du bist da, du bist bei mir. Du bist der Gefährte, welcher mit seinem Stab die bösen Tiere vertreibt und mir hilft, durch die gefährliche Schlucht zu kommen.

Ich kann Ihnen diese Erfahrung vom Du nicht versprechen, aber ich wünsche sie Ihnen. Diese Erfahrung ist ein Wunder. Ich glaube daran, dass dieses Wunder geschieht, immer wieder, auch bei Ihnen. Hilde Domin schreibt in ihrem Gedicht «Die schwersten Wege» so: «weil wir ohne die Gnade nicht leben können und weil das Wunder immer geschieht»

So mögen wir alle durch das finstere Tal geleitet werden und so möge Gott uns auch in diesen Tagen Mut und Vertrauen schenken. Amen.

Fürbitten Gott, lass uns vertrauen auf Deinen Beistand in dieser schweren Zeit.

Wir bitten dich nicht nur für uns, wir bitten dich auch für die Menschen, die in Bedrängnis und Not leben und sich nicht schützen können vor der neuen Gefahr vom Corona-Virus.

Wir bitten dich für die Flüchtlinge in überfüllten Unterkünften, für die Bewohner in engen Slums, ohne Wasser und Gesundheitsversorgung. Wir bitten dich für alle, die bis zur Erschöpfung arbeiten, um Leben zu retten. Gott, lass uns gemeinsam beten, wie Jesus uns gelehrt hat:

Unser Vater im Himmel

Dein Name werde geheiligt

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

und führe uns nicht in Versuchung

sondern erlöse uns von dem Bösen

denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Wir würden nun das Lied 349 singen:

Segne und behüte / uns nach deiner Güte, /

Gott erheb dein Angesicht / über uns und gib uns Licht.

Segen:

Und der Friede Gottes, der allen Verstand überragt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

So segne und behüte Euch der lebendige Gott

Seine Freundlichkeit lasse Euch freundlich und geduldig durch diese Tage gehen

Seine Liebe sei in Euch voller Wärme und Kraft. Amen.



Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner, Meilen