Vier Nüsse für vier Raben, ein Wintermärchen
Märchen sind erfundene Geschichten. Doch das, was hier beschrieben wird, ist nach einer wahren, aber geradezu märchenhaften Begebenheit.
Es war einmal in diesem nebelverhangenen Winter im Pfarrhausgarten, kurz vor Weihnachten. Da bemerkte das Auge des Verfassers vier Raben, die über die gefrorene Erde stolzierten.
Bei genauerer Betrachtung jedoch stolzierten sie nicht. Es schien, als ob diese klugen Tiere ihre Schritte genau abzählen würden. Systematisch schritten sie den Garten ab, um dann und wann, den Kopf im Boden versenkend, zielgenau eine Walnuss zu finden. Die Nuss wurde geschickt aufgehackt und der Inhalt hinuntergeschluckt.
Tatsächlich fielen des Sommers die vielen Nüsse auf, die verstreut in der Gartenerde steckten. Das war damals eine Provokation des eingeborenen Ordnungssinnes. Aber der ersten, gartenpuritanischen Regung, diese einzusammeln und auf dem Kompost zu entsorgen, wurde glücklicherweise nicht nachgegeben.
Das biodiverse Herz vermutete richtig, diese Nussansammlung diente einem höheren Zweck. Nun im Winter wurde zur Gewissheit, dass der Pfarrhausgarten die geheime Vorratskammer der Raben war. Passend zu Weihnachten bescherten sie sich gegenseitig reich und sie schienen glücklich, und wenn sie nicht gestorben sind, sind sie es noch heute.
Im Pfarrhausgarten geschehen immer wieder rätselhafte, ja märchenhafte Dinge, aber man sieht sie nur, wenn man gewillt ist, den Ordnungssinn nicht übermässig zu gewichten.
Pfr. Erich Wyss
Es war einmal in diesem nebelverhangenen Winter im Pfarrhausgarten, kurz vor Weihnachten. Da bemerkte das Auge des Verfassers vier Raben, die über die gefrorene Erde stolzierten.
Bei genauerer Betrachtung jedoch stolzierten sie nicht. Es schien, als ob diese klugen Tiere ihre Schritte genau abzählen würden. Systematisch schritten sie den Garten ab, um dann und wann, den Kopf im Boden versenkend, zielgenau eine Walnuss zu finden. Die Nuss wurde geschickt aufgehackt und der Inhalt hinuntergeschluckt.
Tatsächlich fielen des Sommers die vielen Nüsse auf, die verstreut in der Gartenerde steckten. Das war damals eine Provokation des eingeborenen Ordnungssinnes. Aber der ersten, gartenpuritanischen Regung, diese einzusammeln und auf dem Kompost zu entsorgen, wurde glücklicherweise nicht nachgegeben.
Das biodiverse Herz vermutete richtig, diese Nussansammlung diente einem höheren Zweck. Nun im Winter wurde zur Gewissheit, dass der Pfarrhausgarten die geheime Vorratskammer der Raben war. Passend zu Weihnachten bescherten sie sich gegenseitig reich und sie schienen glücklich, und wenn sie nicht gestorben sind, sind sie es noch heute.
Im Pfarrhausgarten geschehen immer wieder rätselhafte, ja märchenhafte Dinge, aber man sieht sie nur, wenn man gewillt ist, den Ordnungssinn nicht übermässig zu gewichten.
Pfr. Erich Wyss
